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Münsters jüngstes Modelabel

STORY OF MINE

Lisa Marie Weidling ist Münsters neueste und jüngste Modemacherin. Die 23-jährige Absolventin der Münsterschen „Schule für Modemacher“ macht keine halben Sachen. Binnen eines Jahres hat sie ihr eigenes Label kreiert, einen Onlineshop und einen Showroom gegründet und bereits ihre erste Kollektion herausgebracht. Die Arbeit an der zweiten ist schon in vollem Gange.

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Interviews

Münsters letzter Plattenladen expandiert

Musik aus der "Grünen Hölle"

Das Ohr, Elpi, JPC, HMV und zuletzt Jörgs CD-Forum – der Untergang der individuellen Plattenläden und CD-Stores schien auch in Münster zuletzt mit Ausnahme einiger reiner Second Hand-Läden unaufhaltsam zu sein, trotz Vinyl- Boom. Nur „Green Hell“ hält sich wacker gegen den Trend, mehr noch: Nach dem Auszug des Skater-Stores, mit dem man sich bisher die Räumlichkeiten an der Winkelstraße teilte, hat der kultige Plattenladen sein Angebot sogar nochmal ausgeweitet. Einst reiner Spezialist für Punk, Indie, Hardcore & Co. hat sich das Team längst deutlich breiter aufgestellt und von Classic Rock über HipHop und Elektronik bis zu Second Hand-LPs jeglicher Couleur viele Spielarten im Programm. Schuld am Erfolg ist allerdings nicht nur der anhaltende Vinyl-Boom. Green Hell hat sich schon frühzeitig ein zweites Standbein online gesichert. Wir sprachen mit Co-Inhaber Frank Kestennus über das Überleben im Tonträgerhandel 2019

Sind die Streamingdienste der Untergang des klassischen Tonträgers?

„Definitiv tragen Streamingdienste wie Spotify etc. dazu bei, dass der physische Tonträger ein Dinosaurier ist. Um 2005, als Streaming das neue Ding wurde, ist schlagartig die Hälfte unseres Umsatzes weggebrochen! Der Verkauf von T-Shirts und Kapuzenpullis hat uns über diese Zeit gerettet. Inzwischen hat sich die Lage allerdings auch wieder stabilisiert."

Hat sich mit dieser Entwicklung auch eure Kundenstruktur verändert?

Wenn ich mir unsere Kundschaft anschaue, komme ich mir plötzlich jung vor (lacht). Früher waren die Studis unser Kernpublikum, heute sind es eher Leute ab 30, die schon im Beruf stehen und auch 30 Euro für eine Melvins-LP bezahlen können. Außerdem wissen viele Kunden genau, was sie wollen, kaufen das und sind in zwei Minuten wieder draußen. Den typischen Nerd, der zwei bis drei Stunden alles anschaut und x Platten durchhören will, gibt es aber auch noch vereinzelt.

Ist euer Sortiment vielfältiger geworden?

Ja, wir sind heute viel breiter aufgestellt als früher. Damals haben wir mit Punk und Hardcore angefangen. Wenn eine LP einen Barcode hatte, war das schon „Kommerz“! Heute bekommen wir Lieferungen von Warner und die alten Indie-Bands sind auch längst bei der Industrie.

Braucht man für ein breiteres Sortiment nicht auch größere Expertise?

Bei der Größe unseres Lagerbestandes kann man nicht alle Platten durchhören. Es ist aber auch so, dass die Kunden heute durch das Internet sehr gut vorinformiert sind. Früher musste man alles kennen und hatte mit der Beratung auch großen Einfluss auf das Kaufverhalten. Heute sagen uns die Kunden, was aktuell angesagt ist – und das bestellen wir dann.

Welche Rolle spielt die CD heute noch?

Die CDs sind schon beinahe wieder ein Nische geworden. Die CD-Abteilungen bei Saturn etc. sind wesentlich zurückgefahren worden. Bestimmte Musik bekommst du in Münster auf CD oder Vinyl nur noch bei uns. Wobei wir deutlich mehr Vinyl als CDs verkaufen.

Wie wichtig sind Online-Marktplätze wiewww.discogs.com?

Discogs ist für uns das wichtigste Verkaufsportal. Ohne solche Handelsplattformen könnten wir kaum bestehen. Nur der stationäre Laden ohne angeschlossenen Onlinehandel hätte keine Chance. Es würde sich auch viel zu viel Lagerware ansammeln.

Und die Plattenbörsen?

Plattenbörsen sind kein lohnendes Geschäft, da sind wir froh, wenn wir nicht drauflegen. Die Mühe wäre es eigentlich nicht wert. Der Grund, weshalb wir dort trotzdem vertreten sind, ist: Für unsere Kunden ist es wichtig, dass Green Hell ein persönliches Gesicht hat. Die möchten die Menschen sehen, die hinter dem Shop stehen und nicht bei einem anonymen Amazon kaufen.

Die Plattenindustrie hat den Record- Store-Day initiiert, an dem jedes Jahr im April ganz besondere Scheiben auf den Markt kommen, die nur in angeschlossenen Plattenläden erhältlich sind. Ist das ein reiner PR-Event oder ein echter Verkaufsmotor für dem lokalen Schallplattenhandel?

Der Record-Store-Day und die ein, zwei Tage danach sind für unseren Umsatz wichtiger als das ganze Weihnachtsgeschäft! Wir verkaufen an diesem Datum so viel, wie sonst in einem guten Monat. Es ist natürlich ein hohes finanzielles Risiko, weil wir dafür jedesmal viele Spezialitäten und Sammlerstücke aus den USA importieren, vor allem obskure Raritäten von kleinen Labels, die nicht überall erhältlich sind.

Wie geht es mit dem Vinyl-Boom weiter?

Früher habe ich immer gesagt: Irgendwann muss diese Blase platzen! Bis jetzt ist sie immer noch nicht geplatzt und ich bin mit meinen Prognosen vorsichtiger geworden. Die Kundschaft wird zwar älter, aber die Kids, die heute ihre Musik über Streamingdienste hören, werden sich vielleicht ihre Lieblingssongs später, wenn sie Geld verdienen, auch als LP leisten, weil die Vinylplatte einfach ein schönes Luxusgut ist. Insofern bin ich zuversichtlich, dass sich die Käuferschicht erneuert.

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Münsters Mobilitätskonzept der Zukunft

Münster steht am Anfang einer Verkehrswende, die – wenn die Pläne von Reinhard Schulte die Zustimmung der Stadtverwaltung und eine Mehrheit im Rat finden sollten – die Stadt nachhaltig mobil macht und ihr einen enormen Zuwachs an Lebensqualität beschert. Wir sprachen mit dem Leiter des Nahverkehrsmanagements der Stadtwerke über Bus-Straßenbahnen in schneller Taktung, ein Mobilitäts-Netz für Münster, kostenlosen ÖPNV und seine Verkehrs-Vision der Zukunft