Bild roestbar-Erfinder Sandra Götting & Mario Joka
Erfolgsgeschichten

Von Afrika an die Aa und zurück

roestbar-Erfinder Sandra Götting & Mario Joka

Eigentlich sah der Geschäftsplan „nur“ vor, den gemahlenen Kaffee zu vermarkten. Doch das Ladenlokal im Kreuzviertel, das sie für ihre Rösterei mieteten, war so groß, dass Sandra sich mit der Idee durchsetzte, auch noch ein paar Plätze für eine Espressobar einzurichten. Der Name „roestbar“ ergab sich danach fast von selbst. „Anfangs haben wir früh um fünf geröstet, um neun den Laden aufgemacht, abends um acht geschlossen und noch bis zehn geputzt!“, erzählt Sandra von der stressigen Anfangszeit.

Aber das Konzept aus handwerklicher Produktion und atmosphärischer Gastronomie kam an und brachte eine neue Kaffeekultur nach Münster. Aus der roestbar am Kreuztor wuchs schnell ein kleines „Rösterei- & Café-Imperium“. Doch der Expansion wurde kein Hauch des strengen Qualitätsanspruches geopfert: Sandra und Mario prüfen jedes Pfund Rohkaffee auf seine Güte, bevor die Bohnen in die Röstmaschine „Molly“ wandern. Der Röstprozess wird computergestützt überwacht, um beste Ergebnisse zu garantieren. Mit Erfolg: Nicht nur aus der Münsteraner Gastronomie und dem hiesigen Handel ist die Marke roestbar heute mehr wegzudenken. Ein Teil des Erfolges ist auch der Verdienst der Kaffeebauern in Südamerika, Asien und Afrika, welche die Auslese für die Spitzenqualität in Münster liefern. Zuihren Lieferanten pflegen Götting und Joka regelmäßig engen Kontakt vor Ort, um ihren Kaffee von der Tasse bis zur Plantage zurückverfolgen zu können. Mario sagt: „Das Aroma der Bohne liegt zu 80 % in den Händen des Farmers im Ursprungsland. Wir veredeln den Rohkaffee so, dass man landestypische Unterschiede schmecken kann: Eine Bohne aus Südamerika schmeckt z.B. mehr nach Schokolade, eine afrikanische eher nach Lavendel und Zitrone.“ Aus dem Wunsch, den Partner-Farmern etwas vom Erfolg zurückzugeben entstand 2015 die Kooperation mit dem Münsteraner Verein Lichtstrahl Uganda: In Gulu, im Norden Ugandas, eröffnete das Unternehmerpaar gemeinsam mit der Vereinsgründerin Heike Rath den „Lightray Roestbar Coffee-Shop“. Die Kaffeespezialitäten und Snacks in dem gemütlichen Lodge-Haus mit dem Panorama-Blick über die Savanne kommen bei den Gästen bestens an! Heute ist die roestbar-Filiale in Gulu Treffpunkt und Arbeitsplatz für zahlreiche Menschen. Das gilt natürlich ebenso für Münster. Fast fünfzig Tonnen Kaffeepulver werden in den mittlerweile vier eigenen Cafés, Privathaushalten und der Gastronomie jährlich aufgebrüht. Inzwischen sind aus den Pionieren große Player geworden: Die roestbar zählt zu den Mitveranstaltern des „Kaffee-Campus“, einer der größten europäischen Kaffeemessen; Götting und Joka erhielten den „Gründerpreis NRW“ und die langjährige Mitarbeiterin und deutsche Barista-Meisterin Erna Tosberg erreichte im Halbfinale der Barista-Weltmeisterschaft den 10. Platz. Zudem zeichnet das Magazin Feinschmecker die roestbar regelmäßig aus. Was für ein Glück, dass aus einer „absoluten Kaffee-Macke“ – wie Joka schmunzelnd verrät – und Unternehmer-Mut diese Erfolgsstory entstanden ist.